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  • Vorstellung der Schuldnerberatung
Newsletter 15.01.2026

Vorstellung der Schuldnerberatung

Presseartikel

Ende Dezember erschien in der Südwestumschau ein Artikel über die Schuldnerberatung des Caritasverbands Emmendingen. Herr Rombach, Leiter der Schuldnerberatung wurde dafür interviewt. Der Artikel schildert anhand eines konkreten Falls, wie die Schuldnerberatung Menschen in finanziellen Sackgassen helfen kann und warum immer mehr Betroffene Unterstützung bei der Schuldnerberatung suchen. Den gesamten Text finden Sie unter dem Bild.

In diesem Bild ist ein Teil des Zeitungsausschnitts mit dem Artikel über die Schuldnerberatung zu sehen mit einem BIld von Herrn Rombach, Leiter der Schuldnerberatung im Caritasverband Emmendingen.

 

Nichts mehr zu verlieren Privatinsolvenz 

Wie ein alleinerziehender Vater aus Baden-Württemberg seine Geldnöte überwunden hat und nun einen Neuanfang wagen kann. Von Tanja Wolter

Schuldenfrei. Dieses Wort kommt Alex F. nicht so leicht über die Lippen. Er hält kurz inne, bis er bestätigt, dass er das jetzt tatsächlich ist - "komplett schuldenfrei". Für den 40-Jährigen ist es noch ungewohnt, wieder allein über sein Gehalt als Fahrlehrer zu verfügen. Wieder einkaufen zu gehen, ohne mehrere Supermärkte abzuklappern, um billige Angebote zu finden. Vielleicht sogar mal wieder einen Urlaub zu planen, oder einen Ausflug mit seinem Sohn in den Europapark. Der für seine Pläne entscheidende Satz kam mit der Post: "Dem Schuldner wird Restschuldbefreiung erteilt", heißt es im Beschluss des Amtsgerichts Freiburg vom 25. Juli 2025.

Drei Jahre zuvor war die Privatinsolvenz von Alex F. eröffnet worden. "Es ist das beste, was mir passieren konnte", sagt der alleinerziehende Vater aus dem Raum Emmendingen. "Sonst hätte ich die Schulden immer noch an der Hacke." Und die waren hoch. Auf rund 45.000 Euro beliefen sich die Verbindlichkeiten, angehäuft durch Kredite. Seine damalige Partnerin und Mutter seines Sohnes sei anspruchsvoll gewesen, sagt der Badener, der seinen vollen Namen nicht nennen möchte. Sich selbst bezeichnet er als harmoniebedürftig. Um den Haussegen zu wahren, wurde viel angeschafft - und alles sollte neu sein: Auto, Hausrat, Kleidung, Fahrräder. Hinzu kamen Bafög-Schulden, weil sich der gelernte Mechaniker umschulen ließ, als das Kind unterwegs war. "Ich wollte normale Arbeitszeiten, nicht mehr so viele Schichten." Das ist ihm mit der Ausbildung zum Fahrlehrer auch gelungen. Doch als es zur Trennung von seiner Partnerin kam, blieb er allein auf dem Schuldenberg sitzen. Die Kredite liefen auf seinen Namen, auch dies wegen des "Hausfriedens", wie er sagt.

Anfangs hatte Alex F. versucht, ohne fremde Hilfe aus der Klemme zu kommen - mit einem strengen Haushaltsplan. Für Lebensmittel habe er oft das letzte Kleingeld zusammengekratzt, erzählt er. Aber irgendwann wurde ihm klar: "Wenn es kein Geld regnet, funktioniert es nicht." Seine Verzweiflung führte ihn zur Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Emmendingen-und schließlich in ein geregeltes Verbraucherinsolvenzverfahren. "Augen zu und durch", war sein Motto. Am Ende kamen er und sein Sohn mit Entbehrungen, aber ohne große Probleme durch die drei Jahre. "Das ist machbar", so sein Fazit. "Wer zu uns kommt, steckt gefühlt oft in einer Sackgasse", sagt Manuel Rombach, Leiter der Caritas-Schuldnerberatung im Landkreis Emmendingen. Der frühere Sozialarbeiter betreute auch Alex F. - für ihn ein "typischer Fall". Der Ausweg Privatinsolvenz steht allerdings nicht ohne weiteres offen. Zunächst muss mit den Gläubigern über eine außergerichtliche Lösung verhandelt werden, wobei die Schuldnerberatung hilft, einen Tilgungsplan auszuarbeiten. Erst wenn die Gläubiger das Angebot ablehnen, kann bei Gericht ein Insolvenzverfahren beantragt werden. "Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, ist die Privatinsolvenz eine gute Lösung", erklärt Rombach.

Bei Alex F. hat das gepasst. Immobilien, Grundstücke oder private Kapitalanlagen besitzt er nicht - all dies müsste sonst auf den Tisch. Was der Fahrlehrer von seinem Gehalt für sich und seinen Sohn monatlich behalten durfte, ergab sich aus der gesetzlichen Lohnpfändungstabelle. 2200 Euro netto hatte die kleine Familie in den Insolvenzjahren zur Verfügung, 200 bis 300 Euro monatlich wurden laut Alex F. für die Gläubiger gepfändet. Ohne den Privatkonkurs hätte er monatlich fast das Doppelte abstottern müssen - und wäre heute immer noch verschuldet. Die Schuldnerberatung hat alle Hände voll zu tun - nach Einschätzung von Manuel Rombach eine Folge der Preissteigerung. Seine Vermutung: Bei vielen Menschen geht das Einkommen inzwischen komplett für die Lebenshaltung drauf, und Kredite können nicht mehr getilgt werden.

"Seit Oktober 2023 sind die Anfragen bei uns um fast 100 Prozent gestiegen", betont Rombach. Die Berater bei der Caritas kommen fast alle aus der sozialen Arbeit. "Wir betrachten die Personen nicht als Schuldner, sondern als Menschen", sagt Rombach. Ihnen werde mit Respekt begegnet. Oft führten Krankheit, Arbeitslosigkeit, Sucht oder eine Trennung in die Schuldenfalle. Rombach sieht aber auch die zweite Seite von Privatinsolvenzen. "Es gibt viele Fälle, in denen Gläubiger gar nichts bekommen." Für Unternehmen sei dies schwierig.

Alex F. ging mit der Erwartung zur Beratung, dass er dort wegen seines Verhaltens "zerpflückt wird". Doch ihm sei viel Verständnis entgegengebracht worden - Schuldzuweisungen habe es nicht gegeben, sagt er. Jetzt schaut der Alleinerziehende nach vorne. Ab Januar ist sein negativer Schufa-Eintrag gelöscht, seine Insolvenz damit Geschichte. Sein wichtigstes Ziel für die Zukunft: dass sein Sohn "gut durch die Schule kommt". 

Text: Artikel von Tanja Wolter aus der Südwestumschau vom 29.12.2025, mit freundlicher Unterstützung der Südwest Presse.

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